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Sonntag, 20. april 2008

von Feldmeister

Bogenbau-Wochenende

 

Zum Glück sind Marcus und Stefan immer „dran“ geblieben und haben schließlich auch den zweifelnden Feldmeister überzeugt.

 

Und so fand es am Wochenende vom 25.-27.01.2008 statt: Das Bogenbau-Wochenende für die Truppsippe des Sippennetzwerkes in der Nähe von Heidelberg.

Mit dabei waren die Kornetten der Sippen aus Heidelberg, Rheinstetten, dem Hochschwarzwald und Ostfriesland (an der Entfernung lassen wir doch nichts scheitern!).

Am Samstagmorgen standen wir jedenfalls pünktlich um 9.00 Uhr vor dem Haus von Familie Uhrig in Tairnbach.

Die Tür tat sich auf – und wir verschwanden für den Rest des Tages erst einmal im Keller.

Gleich als wir die Treppe hinuntergestiegen waren, erkannten wir, dass wir bei einem echten „Freak“ gelandet waren: Überall standen und lagen Bögen verschiedenster Machart, die sofort unsere Bewunderung fanden, dazu jede Menge Zubehör aller Art. Und in der Werkstatt lagen auf dem Tisch schon neben drei „Rohlingen“ jede Menge Werkzeuge für uns bereit. Zunächst jedoch versuchte uns Bernd mit ein paar Worten die Schwierigkeiten des Bogenbaus zu verdeutlichen – was ihm auch vollständig gelang, da es in seinem Bericht von „Fachausdrücken“ nur so wimmelte, sodass wir kaum mehr als jede Mange „Bogen“ und jede Menge „Bahnhof“ verstanden. Aber jedenfalls waren wir hinterher vollständig davon überzeugt, dass die Sache unsere ganzen Kräfte erfordern würde.

Ja, und dann ging es an die Arbeit. „Man nehme einen Baum und eine Axt und schlage alles weg, was nicht wie ein Bogen aussieht.“ So lautet die „kürzeste Bescheibung zum Bau eines Bogens, die uns auch Bernd noch einmal zitierte. Klingt gut. Aber wenn man dann selber da steht, mit dem Zugmesser oder dem Hobel in der Hand, dann stellt sich das nicht zuletzt als echte Knochenarbeit heraus. Es sind ja „nur“ 4-5 cm Holz, die da „weg“ müssen, aber allein die haben es schon in sich. Keine Angst, heftiges Schwitzen und Muskelkater sind im Preis inbegriffen! Aber irgendwie ist es schon faszinierend, wie sich so langsam aus dem relativ ungefügen Stück Holz nach und nach etwas formt, das immer mehr nach einem Bogen aussieht.

Bis zum Mittagessen, das Frau Uhrig schon sehr lecker für uns zubereitet hat, sind jedenfalls die allergröbsten Arbeiten geschafft – und die Hoffnung, doch noch irgendwie fertig werden zu können, lebt wieder auf. Die Mittagspause fällt deshalb auch etwas kürzer aus.

Aber die jetzt kommenden Feinarbeiten sind kaum weniger anstrengend, als die Vorarbeiten. Statt Hobel und Zugmesser kommen jetzt Ziehklingen und Schleifpapier zum Einsatz. Der Boden, der jetzt schon von einer ddicken Schicht Späne bedeckt ist, wird zusätzlich noch mit feinem Holzstaub „gepudert“.

Faszinierend ist es vor allem, Bernd, den Fachmann zu beobachten. Wo wir kaum wissen, wie wir ein Werkzeug richtig halten müssen (ich sage nur: Schweifhobel!) hat er in wenigen Sekunden die schönste Bogenrundung aus dem Holz „gezaubert“. Übung scheint irgnedwie doch etwas zu bringen...

Tillern. Die hohe Kunst des Bogenbaus. Wie kriege ich meinen Bogen mit allen seinem Astlöchern und Unebenheiten dazu, dass er sich schön gleichmäßig rundet? Ganz einfach: Ich schaue es mir an – und dann kommt halt an allen Stellen, an denen es noch nicht passt, noch eine Schicht „runter“. Klingt ganz einfach, oder? Naja, ich will es mal nicht verschweigen, aber ich glaube, wir „Laien“ könnten stundenlang vor dem im Tillerstock eingespannten Bogen stehen und uns die Augen aus dem Kopf starren, wo denn jetzt noch was „weg“ muss – Bernd dagegen sieht es sofort, markiert die Stelle – und dann folgt wieder eine Viertelstunde mühevoller Arbeit mit der Ziehklinge. Und danach merkt man meistens, dass es immer noch nicht passt...

Also, der Führung wird das irgendwann zu dumm und sie verzieht sich ins obere Stockwerk – zu Kaffee und russischem Zupfkuchen. Die Kornetten dagegen halten eisern durch, denn die verbleibende Zeitspanne schrumpft allzu schnell dahin.

Aber als die Führung dann „wohl erquickt“ wieder in die

staubeigen Tiefen hinabsteigt, ist wirklich das meiste geschafft: Vier wunderschöne Langbögen sind nahezu fertig. Schon werden sie noch ein letztes Mal abgeschmirgelt, dann soch die Kerben für die Sehnen (Bernd schenkt jedem Kornetten eine), dann eine Silikon-Imprägnierung. Fertig!

Während die ersten Kornetten schon im Eiltempo zum nächsten Bahnhof gebracht werden, können die anderen ein paar erste Schüsse probieren.

Und natürlich damit beginnen, den Keller wieder vom gröbsten Staub zu reinigen.

Beim gemütlichen Abendessen klingt der Tag aus. Ein Tag voller Anstrengung, das lässt sich nicht leugnen. Aber ein Tag, der sich auf jeden Fall gelohnt hat, trotz z.T. sehr langer Anfahrt, da sind sich alle einig.

Und am Schluss bleibt es uns nur übrig, Bernd an dieser Stelle noch einmal von Herzen zu danken, für die Zeit, die er sich genommen – und auch für das Material, das er uns zur Verfügung gestellt hat. Und jetzt freuen wir uns auf das Sommerlager, wo die Bögen dann „richtig“ zum Einsatz kommen werden!

 

geschrieben von SMS, 29.01.2008

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