Vorbereitung der Sippenabendrunde
Zu den regelmäßigen Aufgaben einer Sippe im SNW gehört es, eine Abendrunde (oder zumindest den Teil einer Abendrunde) für das Sommerlager vorzubereiten.
Jeder, der schon einmal irgendwo auf einem Pfadfinderlager dabei war, hat dabei zumindest schon einen Eindruck davon bekommen, was „Abendrunde“ sein kann.
Spielen, singen, Lagerfeuer und so weiter. Für viele Pfadfinder sind die Abendrunden mit die schönsten Momente des ganzen Lagers. Je besser diese dabei geplant sind, um so schöner werden sie dann wirklich für alle.
Unsere Abendrunden im Sommerlager wollen dabei vielleicht einen Schritt weiter gehen, als die Abendrunden, wie wir sie bisher kennen. Sie sollen einen richtig packen und mitgehen lassen .
Hier auf dieser Seite findet ihr einmal die wichtigsten Tipps zum Vorbereiten einer Abendrunde – so dass sie allen Freude macht – und nebenbei nach Möglichkeit auch noch irgendwie „Sinn“.
1. Der Abendrundenplatz
Die „normale“ Anordnung des Platzes für eine Abendrunde sieht im Moment wohl etwa so aus: Die Abendrunde findet in der Jurte statt, Feuer in der Mitte, die Pfadfinder sitzen drumherum.
Das ist aber keinesfalls die einzig mögliche Anordnung für die Durchführung einer Abendrunde. Eigentlich ist sie sogar in manchen Fällen eher hinderlich, z.B. bei der Durchführung von Theaterstücken etc.
Durch einige wenige Umbauten kann dabei eine Menge bewirkt werden, selbst wenn man im Sommerlager nicht die Möglichkeit hat, stundenlang die Abendrunde vorzubereiten.
- Plätze für besondere Ereignisse werden vorher bestimmt und abgegrenzt. Das gilt sowohl für die Plätze für Spiele, als auch besonders für die „Bühne“. Beide können dabei durchaus außerhalb der Jurte liegen, sodass die Planen auch nicht weiter stören. Bei Theaterstücken könnte es sich auch anbieten, die „Jurtenwand“ gleichzeitig als Vorhang zu benutzen
- Die Sippe, die für die Abendrunde verantwortlich ist legt von vornherein eine Sitzordnung fest. Dadurch
- Es gibt noch andere Beleuchtungsmöglichkeiten als ein Feuer. Z.B. können hier Fackeln, Petroleumlampen, Kerzen etc. eingesetzt werden. (Bitte denkt nur daran, die entsprechenden Dinge rechtzeitig selbst zu besorgen bzw. der Führung Bescheid zu geben, was ihr braucht.
- Selbst wenn die Abendrunde normalerweise in der Jurte stattfinden, ist das keine absolute Vorschrift! Wenn es für eure Abendrunde sinnvoll wäre, gar nicht erst in die Jurte zu gehen, sondern an einen anderen, von euch selbst gewählten Ort – warum nicht?
2. Das Abendrundenthema
Jede Abendrunde im Sommerlager des SNW steht unter einem eigenen Thema, das zum Sommerlagerthema passt. Das Thema für eure Abendrunde sucht ihr euch selbst aus und gebt es vorher dem FM bekannt. Im „Sommerlagerheft“, das jede Sippe zu Beginn des Lagers erhält, stehen dann die einzelnen Themen jeweils aufgeschrieben.
Wie sollte ein Abendrundenthema sein?
Am besten so, dass es eine „Geschichte“ einleitet. Ein allgemeines Thema („Mittelalter“) ist zwar meist recht einfach, weil man dann einen großen Spielraum hat, was Spiele etc. angeht. Aber reizt so ein Thema wirklich die anderen, diese Abendrunde mit euch zusammen zu erleben? Wenn ich ein Buch mit dem Titel „Mittelalter“ sähe, würde ich es kaum kaufen und lesen, weil ich darin kein spannendes Abenteuer erwarten würde – es klingt mehr nach einer langweiligen wissenschaftlichen Abhandlung... Ein Thema oder Titel soll die anderen Leute schon irgendwie „mitnehmen“. Nennen wir unsere Mittelalterabendrunde doch einfach einmal „Der Kampf um die Klingenburg“. Darunter können wir uns schon viel mehr vorstellen – und wir haben gleich eine Geschichte parat, an der entlang wir unsere Abendrunde aufbauen können. Ein richtiges mittelalterliches Drama kann man hier abwickeln: Kampf und Versöhnung, schöne Burgfräulein, edle Ritter und arglistige Bösewichter, Liebe und Hass...
Wichtig ist, wenn wir ein Thema vorbereiten: Je mehr wir uns und die anderen in dieses Thema hineinversetzen, desto spannender wird die Sache für alle. So wie wir in einem spannenden Buch mit dem Helden mitfiebern können, so können wir es auch in einer Abendrunde, wenn sie richtig „durchgezogen“ wird. Das Schlimmste, was passieren kann ist ein tolles Thema, das dann einfach „verschenkt“ wird, weil die Abendrunde nur halb vorbereitet ist und nicht zieht...
3. Moderation
Jede Abendrunde wird moderiert, d.h. irgendjemand sagt an, wie es weitergeht. Zur Moderation gibt es einen Haufen Dinge, die man beachten sollte. Das wird nicht gleich beim ersten Mal 100%ig funktionieren, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister...
Hier die wichtigsten Dinge:
- Es gibt nur einen Moderator. Es muss immer klar sein, wer „der“ Moderator der Abendrunde ist. Er trifft die Entscheidungen, wann was gemacht wird – und auch, wie lange eine Aktivität, z.B. ein Spiel, dauert. Auf keinen Fall sollte es zu „Diskussionen“ während der Abendrunde kommen. Sonst ist jede aufgebaute Stimmung sofort dahin, und man ist sofort wieder „raus“ aus der Geschichte, in die man sich vielleicht gerade einmal so richtig eingelebt hat. Der Moderator kann deshalb durchaus die Verantwortung für einzelne Teile (z.B. ein Spiel) an „Submoderatoren“ abgeben, aber er behält immer die „Oberaufsicht“.
- Der Moderator ist ein Charakter, er spielt eine Rolle. Wenn der Moderator immer nur „steril“ sagt: „Wir singen jetzt...“, „Wir machen jetzt...“ kommt keine Stimmung auf. Wenn der Moderator aber König Kuno der Knausrige ist und sich auch die ganze Abendrunde so verhält (und am besten auch so aussieht = Verkleidung!), dann sind gleich alle mittendrin. Wichtig: Wenn einmal eine Rolle eingenommen ist, muss sie auch durchgezogen werden! Nicht zwischendurch „aus der Rolle fallen“! Auch für Submoderatoren gilt dasselbe: Dann erklärt das Spiel eben nicht Pfadfinder XY, sondern Hofmarschall Antonio der Alberne...
- Keine Pausen entstehen lassen! Dies ist wahrscheinnlich die wichtigste Regel. Pausen machen alles kaputt! Deshalb muss die Abendrunde vorher perfekt geplant sein. Es muss klar sein, wann welches Lied gesungen, welches Spiel gespielt wird. Das erfordert Mitdenken bei allen, nicht nur beim Moderator. Letzte Anweisungen wie „gleich ist Dein Spiel dran“ gibt dieser dann nicht in die erwartungsvolle Stille nach dem Lied, sondern schon während des Liedes... Entsteht doch mal eine Pause, überbrückt der Moderator sie einfach so lange mit Gequassel (in seiner Rolle!) bis alles wieder im Lot ist.
Für unsere Abendrundenmoderatoren ist das vor allem bei Spielen wichtig: Nicht umsonst gibt es den Spruch: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“ Denn ein „überdehntes“ Spiel wird langweilig – und Langeweile sollte in unserer Abendrunde tunlichst ein Fremdwort sein! Der Moderator muss also stetig die „Stimmung“ der anderen sondieren – und darauf reagieren
- Die Zeit im Auge behalten. Jede Abendrunde hat eine vorgesehene Dauer, bei uns im SNW zwischen 1,5 und 2 Stunden. Der Moderator muss immer einen Überblick über die Zeit behalten und vor allem flexibel auf die Zeit reagieren. Wenn alles länger dauert als geplant, weil die Stimmung bei den Spielen so gut ist – okay, dann fällt halt ein Lied aus. Die Abendrunde sollte auf jeden Fall die vorgesehene Dauer nicht überschreiten. „Zieht“ kein Spiel so richtig, ist die Abendrunde vielleicht schon eine Viertelstunde zu früh fertig. Na und? Die anderen werden sich über etwas mehr Schlaf sicher freuen...
4. Grundlegende Struktur der Abendrunde
Das, was ihr unten in der Grafik findet, ist ein Vorschlag zur Struktur einer Abendrunde. Er ist nicht verpflichtend, hat sich aber bislang in der Praxis bewährt. Zwei grundlegende Dinge sollten aber auf jeden Fall beachtet werden:
- Am Anfang der Abendrunde sollte irgendein „Kracher“ stehen, der die anderen Leute fesselt
- je länger die Abendrunde dauert, desto ruhiger wird sie
5. Liedauswahl
Die Liedauswahl sollte nach Möglichkeit natürlich irgendwie zum Thema passen. Das ist sicher nicht immer ganz einfach, besonders bei „speziellen“ Themen. Man kann hier allerdings ein bisschen durch die Moderation Einfluss nehmen. Ein Lied, das vielleicht auf den ersten Blick nicht zu passen scheint, kann ja durchaus „passend gemacht“ werden, dadurch das unser Moderator König Kuno der Knausrige eben sagt: „Ach, irgendwie denke ich gerade ans Meer...wisst ihr noch damals, als wir dort an der Nordsee waren...welches Lied haben wir da noch einmal immer gesungen...ach ja: 'Möwen hoch über uns...'“
Ein paar grundlegende Kommentare noch zur Liedauswahl: Auch hier sollte darauf geachtet werden, dass die Lieder insgesamt den Verlauf der Abendrunde fördern, d.h. wenn ihr z.B. ein besinnliches Theaterstück spielen wollt, ist es vielleicht nicht so gut, vorher ein „Witzlied“ zu singen. Allgemein gilt: Je weiter die Abendrunde fortschreitet, desto ruhiger werden die Lieder.
Die Lieder werden vor dem Sommerlager an das zuständige Mitglied der Lagerführung weitergeleitet. So besteht auch die Möglichkeit, dass bislang eher unbekannte Lieder mit ins Sommerlagerliederheft aufgenommen werden. Es wäre auch wirklich schön, wenn sich so der Liedschatz immer mehr erweitern würde. Allerdings ist es dann notwendig, dass Deine eigene Sippe das Lied schon gut singen kann.
Wenn ihr keine eigenen Musiker habt, dann übernimmt die Führung gerne auch die Liedbegleitung. Allerdings müsst ihr dann damit rechnen, dass es das eine oder andere Mal ein wenig den Ablauf stört, weil der Musiker nicht genau weiß, was „dran“ ist. Es empfiehlt sich also für euch, dem Musiker vorher möglichst viele Informationen über den Ablauf der Abendrunde zu geben, damit er immer genau weiß, was als nächstes von ihm verlangt wird.
6. Spiele
Spiele sind ein wichtiges Element in jeder Abendrunde. Auch die Spiele sollten irgendwie auf das Thema abgestimmt sein. Das ist aber auch gar nicht so schwer, denn man kann dasselbe Spiel mit nahezu beliebig vielen verschiedenen Spielideen verknüpfen. Hier ist wieder der Moderator gefragt, das Spiel irgendwie in die „Geschichte“ der Abendrunde einzubauen. Das erfordert natürlich ein wenig Übung, aber die bekommt man am besten durch tun.
Wie viele Spiele braucht eine Abendrunde? Das hängt natürlich ein bisschen von den Spielen selbst ab – und davon, wie lange sie sich tragen und Spaß machen (s.o.). Auf keinen Fall sollte man für ein Spiel eine „Mindestzeit“ ansetzen, die es gehen muss. Denn wenn es irgendwie nicht richtig „funkt“ und man dann diese Mindestzeit einfach gelangweilt „absitzt“ ist das sicher nicht gut für die Stimmung. Eine Höchstzeit dagegen darf man durchaus setzen, selbst wenn das bedeutet, das Spiel abzubrechen, wenn es durchaus noch eine halbe Stunde „laufen“ würde. Dann spielt man es lieber irgenwann anders noch einmal... Also, wieviele Spiele? Ich denke, besonders in einer Abendrunde mit Singewettstreit und Theaterstück sind drei Spiele wirklich schon das Maximum.
7. Singewettstreit und Theaterstück
Dazu gibt es eigentlich nicht mehr viel zu sagen, die wichtigsten Informationen findet ihr in der allgemeinen
8. „Lerneffekt“
Klar, unsere Abendrunde ist keine Schule. Hier steht im Normalfall nicht das Lernen an erster Stelle, sondern die Freude. Aber trotzdem...lernen ist ja nicht nur immer graue Theorie. Ich würde mich freuen, wenn in eurer Sippenabendrunde alle irgendwie außer einem tollen Gefühl noch ein bisschen mehr mitnehmen könnten: Ein neues Lied, einen geistlichen Impuls, mehr Wissen über das Thema o.ä. Die Möglichkeiten, etwas zu „lernen“ sind vielfältig – und längst nicht alle langeweilig.
Weitere Informationen zur Bewertung der Abendrunde findet ihr hier
Zum Schluss hoffe ich, dass euch diese ellenlange Anleitung nicht allzusehr gelangweilt hat. Zu eurem Trost: Ich kann mich bislang in meinem ganzen Pfadfinderleben an keine einzige Abendrunde erinnern, die alle diese Kriterien vollständig erfüllt hätte. Auch keine von meinen eigenen. Aber eines habe ich in langen Jahren gelernt: Je mehr die oben genannten Punkte beachtet werden, desto lustiger, spannender und merk-würdiger wird eine Abendrunde.
Also, geht einfach an die Aufgabe heran und findet euren eigenen Sippenstil! Ich freue mich auf die gemeinsamen Abendrunden im Sommerlager.
Euer FM