Komisch!
oder
Das Pfingstlager der Truppsippe 2008
Endlich ist es so weit, Freitag der 9. Mai 2008. Nun startet das Event „Pfingstlager der Truppsippe im Pfälzerwald“, dem wir schon seit Monaten entgegengefiebert haben. Ganz gespannt erreichen wir Zeiskam, das schmucke „Zwiebeldorf“, wo uns gestattet wird, im ehemaligen Pfarrhaus zu nächtigen. Doch zuvor lassen wir es uns nicht nehmen, wenn auch etwas ungeplant eine Abendrunde zu halten.
Die Truppsippe, die sich am Samstag dann auf den Fußmarsch macht, ist zusammengesetzt aus unserem werten Feldmeister Sebastian, dem Kornetten Johannes, Sippe Adler, dem Kornetten Alexander, Sippe Geier, dem Hilfskornetten der Sippe Bär, Raphael1 und dem Kornetten der Sippe Hirsch, Daniel.
Leider war es nicht allen Kornetten des SNW vergönnt an dieser Truppsippenunternehmung teil zu nehmen. Andererseits hätten wir sonst auch Platzprobleme in der Kohte bekommen. Dieses Problem entfiel dann jedoch ganz, da wir uns entschieden, dieselbe wegen des guten Wetters in Zeiskam zurückzulassen, um Gewicht zu sparen.
Unser erstes Ziel war, wie könnte es auch anders sein, der Besuch der hl. Messe in Lustadt, die eigens für uns von dem Hochwürdigen
Herrn Harald Fleck gehalten wurde, weshalb wir auch zwei Ministranten stellen durften.
Danach fuhren wir nach Edenkoben, besichtigten kurz die "Villa Ludwigshöhe, und nahm das Geschen seinen Lauf (denn wir begannen zu laufen), um genau zu sein hinauf zum Schänzelturm, etwa 600 m über dem Meeresspiegel gelegen.
Um aufzuzeigen, was schwer verdauliche Kost ist, gab es einen Dialog2 zu kosten.
Doch dann folgte ein kulinarisches Highlight: Kartoffelsuppe mit Milchreis, als Nachspeise natürlich. Doch ein gemütliches Beisammensein ist längst nicht so interessant, wie wenn man sich von der Dorfjugend einer älteren Generation3 sich einige Lieder vorsingen lässt.
Doch genau diese zwei Minuten tiefstes Versenken in deren Lieder prägten unser Pfingstlager bis in den kleinsten Knochen. Wir dachten, wir dachten nach, wir grübelten, brauchten das ein oder andere Getränk und kamen so zu dem Entschluss: „Pfadfinder sind komisch“. Aber diese Dorfjugend ist auf unkomische Weise komisch geprägt, was also keine positive Komik mehr ist, sondern eher Lächerlichkeit, oder zumindest belächelte Komik. 4
Nach einer Wanderstrecke, bergauf, bergab, legten wir eine Rast ein um eine „Stille halbe Stunde“ zu halten und uns
einem Begleitheft zu widmen, welches extra von unserem Feldmeister hierfür erdacht wurde.
Dann folgt ein gemütliches Beisammensein bei einer Tasse voll gutem ostfriesischem Schwarztee, welcher aus eigens hierfür mitgeschleppten (ääh ich meine ehrenhaft hier für mitgebrachten) Teetassen getrunken wurde.
Doch das holde Glück währte nicht ewig, ein Dialog folgte. Oh nein5!
Auf dem Weg zur Burg Neuscharfeneck, wo wir gewillt waren zu nächtigen, beteten wir den Rosenkranz, ganz zum Entzücken zweier Passanten, die sich wirklich sehr an uns, der betenden Jugend, erfreuten. Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Mann schon mehrmals von Paris nach Chartres6 mitgelaufen war und dass sie uns, wenn sie gewusst hätten, dass wir uns begegnen, einen Kuchen gebacken hätten.
Herrlich erstrahlt wie ein Stern die Burg Neuscharfeneck im frühen Abendlicht. Die alten Mauern, zwar halbverfallen, strahlen doch nach außen jahrhundertealte Geschichte und stehen wie triumphierende Felsen in der Brandung der Zeit.
Nach der Erkundung dieses alten Gebäudes mir seinen Mauern und Türmen nahmen wir ein bescheidenes, aber gesundes Mahl zu uns. Auf der obersten Etage eines Turmes, dessen Dach fehlte, richteten wir uns ein Nachtquartier ein.
Und nun begann der Zauber, wir tauchten ein in die Welt des Ritters Bodo von Neuscharfeneck und stiegen mit ihm in der Abendrunde, gleich einem Tanze, empor
in eine längst vergangene Zeit.
Wir wurden Teil des Geschehens, geladene Gäste des Raubrittes Bodo von Neuscharfeneck, der seinen Geburtstag feierte, im Kreise einer auserlesenen Gesellschaft. Manche Spötter und Neider weilten unter ihnen, doch es gab auch Speichellecker und wahre Freunde. Groß war die Freude als der Ritter Bodo von der edel geschmückten Ehrentreppe beim Schall der Fanfaren herniederstieg um seine Gäste zu erfreuen und einen Teil seines Glanzes abzugeben. Und um in seiner eigenen Vergangenheit zu schweifen, welche er zwar nicht mehr klar vor Augen hatte, auf deren tatsächlichen Boden er aber von seinen Gästen immer wieder sanft oder unsanft zurückgerufen wurde. Mit Saus und Braus endete das Festgelage und man zog sich zurück in die Gemächer.
Kalt pfiff der Wind in dieser Nacht uns um die Ohren, doch dies hielt uns nicht ab in das sternenbedeckte Firmament zu schauen und als uns die Müdigkeit übermannt hatte von einer rauen und doch lieblichen Welt der Ritter und Burgen zu träumen, denn wie sag ich so schön: „Entdecke das Kind in dir!“7
Mit der Sonne erwachte unsere Schar am nächsten Morgen, doch konnte so schnell keiner sich bewegen aufzustehen, da man doch lieber den Morgenhimmel genoss. Doch dann klingelte der Wecker, 7 Uhr, nun war es zu spät um zu genießen, im Nu waren alle gerichtet um das Morgengebet zu verrichten. Eine warme Tasse Schwarztee und ein gutes Frühstück, folgten. Und dann kam der heiß geliebte Dialog: Pfingstimpulse, ein Ersatz für die Predigt, die in der 40 Minuten Messe im nahe gelegenen Dernbach, zu der wir eigens hinunter stiegen, nicht stattfand.
Doch was soll's, gestärkt durch den Heiligen Geist ging es munter weiter bis zu einer ehemaligen Zisterzienserkirche8 in Eußerthal, wo wir eine Rast einlegten und uns ein Mittagessen gönnten. Dann führte uns Sebastian jedoch den Berg weiter hinauf und wieder hinunter Richtung Gräfenhausen, auf Umwegen9 ereichten wir schließlich den historischen Weinort. Leider hatte die Kirche geschlossen und nichts blieb uns anderes übrig, als weiter zu wandern, den Berg hinauf. Wir fanden den Holderbrunnen nicht und beteten deshalb einen Rosenkranz und da geschah das Wunder, wir standen plötzlich kurz vor Annweiler, unserem Zielort für den Tag!
Nach einer „Stillen halben Stunde“, in der ich mir die Stacheln eines Stachelschweins10 mit einem Opinel herauspulte, gingen wir über zur Teepause und „genossen“ den folgenden Dialog.
Dann gingen wir den Weg weiter bis zum Annweiler Jugendheim, wo wir Martin11 trafen, der uns mit weiteren Lebensmitteln und Wasser versorgte und noch mit uns zu Abend aß und an der Abendrunde als Gast teilnehmen durfte.
Zu unserer großen Freude lagerte direkt vor der Jugendherberge eine „Pfadfinder“-Horde und wir konnten uns auch von den
Lautsprechern und dem Animator beschallen lassen, zum
Glück jedoch wurde diese „Pfadfinder“-Gruppe durch Zäune vor der Allgemeinheit geschützt. Oder andersherum.12
Fröhlich, aber doch etwas erschöpft kämpften wir uns noch mal einen steilen Buckel hoch, um dann mit einem herrlichem Platz und einer wundervollen Aussicht belohnt zu werden.
Bei einer Schutzhütte richteten wir uns für die Nacht ein. Doch zuvor ließen wir es noch mal richtig dampfen, Abendessen kochen. Rindergulasch in Rahmsoße auf Bandnudeln, dazu Salat und als krönenden Abschluss Vanillepudding aus VaPuPu13.
„Kriegsrat auf dem Sommerfelsen“, so erklang laut das Abendrunden Thema und entführte uns in ein Treffen des Kurfürsten Wilhelm Friedrich von Haselburg und des Grafen Friedrich von Heckenberg.
Große Männer, viele Worte, grandiose Abendrunde.
Um 7 Uhr hieß es aufstehen und sich bereit machen zum Abstieg, denn im Tal, also in Annweiler, erwartete
uns der vorletzte Dialog und ein Großer Einzug mit Banner und
Ministranten in die Kirche zur heiligen Messe.
Aufwärts ging es dann zur Burg Trifels, noch ein letzter steiler Anstieg, der alle Kräfte forderte. Dafür besichtigten wir aber dann auch die Burg, die im Mittelalter sehr große Bedeutung saß, da in ihr einige Jahre lang die Reichsinsignien aufbewahrt wurden, also die Heilige Lanze, die Kaiserkrone usw., die man noch heute dort bewundern kann15 Von oben vom Turm aus konnte man dann noch einmal einen Überblick über den Pfälzerwald bekommen.
Ganz wildromantisch kochten wir kurz darauf vor einem riesigen, roten Felsen mitten zwischen den Ruinen Anebos und Scharfenstein, zu denen wir uns jedoch den Aufstieg sparten, „Paprika Julienne“. Obwohl der Topf randvoll mir Reis war, haben wir ihn komplett leer gegessen.
Nach noch etwa einer Stunde ruhiger Wanderung durch recht ebenes Gelände erreichten wir endlich Waldrohrbach, wo wir abgeholt werden sollten.
Etwas abseits, in der Natur, hielten wir zum letzten Mal eine „Stille halbe Stunde“, „genossen“ den letzten Dialog und ließen es uns zum letzten Mal bei einer Tasse Tee gut gehen.
Mit einer kleinen Abschlussrunde vor der Kirche des Ortes ging dieses Truppsippenlager dann leider schon zuende!
An alle Kornetten die nicht da bei waren oder keine Vertretung hatten, ihr habt echt was verpasst, nicht nur die gute Gemeinschaft, oder die beeindruckenden Naturkulissen und Burgen, sondern auch sehr viel Nützliches im Bezug auf die Sippe.
Lasst es euch nicht entgehen im Herbst dabei zu sein, wenn der Jahresplan aufgestellt wird!
Weitere Bilder vom Pfingstlager finden angemeldete und identifizierte Mitglieder übrigens hier im Forum.
Fußnoten
1 Als Vertretung für Peter, Kornett der Sippe Bär, der Verhindert war.
2 Dialog meint in diesem Bericht: Ein Vortrag von Sebastian, eine Art Katechese oder das Bloßstellen der Kornetten durch höchst komplexe Fragen. Die Dialoge werden in diesem Bericht von einem leicht negativen Aura umhüllt, was aber eigentlich nicht den Tatsachen entspricht. Die Dialoge waren in Wirklichkeit sehr informativ, interessant, lehrreich in geistigen und pfadfinderischen Gebieten.
3 50+
4 Fängt das Wort „komisch“ langsam an, komisch zu wirken?
5 Schade um die Teepause.
6 Paris – Chartres ist eine beliebte Wallfahrt in Frankreich, ca. 100 km
7 In Anlehnung an die „kellogs cornflakes“ Werbung: „Entdecke den Tiger in dir!“
8 Ordo Cisterciensi (OCist)
9 Wir haben uns auf gut deutsch verlaufen, wahrscheinlich war die Karte manipuliert
10 Stachelschwein ist die Umschreibung für die Hülle der Esskastanien.
11 Ein Seminarist, der mit Sebastian in Eichstätt studiert
12 Sarkasmus
13 Das Wort ist einfach gut14! Vanillepuddingpulver
14 Mit das „Wort“ ist die Abkürzung gemeint.
15 Nachbildungen.